Arbeitslosigkeit trifft Alleinerziehende häufiger und härter

Alleinerziehende Väter und Mütter sind weit häufiger ohne Arbeit als der Bevölkerungsdurchschnitt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf schriftliche Fragen der Abgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Zimmermann ist arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Deutschen Bundestag und zugleich Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Demnach waren im Jahresdurchschnitt 2018 2.340.000 Menschen arbeitslos gemeldet, davon 197.000 Alleinerziehende. Zusätzlich waren weitere 112.000 Alleinerziehende ohne Arbeit und im Hartz-IV-Bezug, ohne arbeitslos zu sein. Sie gelten im Sinne der Arbeitslosenversicherung allein deshalb nicht als arbeitslos, weil sie aufgrund der Betreuung ihrer Kinder oder der Pflege von Angehörigen nicht für den Arbeitsmarkt verfügbar sind – oft deshalb, weil es an entsprechenden Betreuungsmöglichkeiten fehlt. Für den Bezug von Hartz-IV-Leistungen gibt es aber noch weiter gehende, strenge Voraussetzungen, das heißt nicht jede Kinderbetreuung oder Pflege wird anerkannt.

Nicht statistisch erfasst wird, wie viele weitere Alleinerziehende ohne Arbeit sind, aber mangels Verfügbarkeit nicht als arbeitslos gelten und keinerlei Leistungen beziehen. Dazu gehören beispielsweise Alleinerziehende, die überdurchschnittlichen nachehelichen Unterhalt erhalten und ihre Kinder durchgängig selbst betreuen müssen. Unter Einbeziehung dieser Personengruppe dürfte die Gesamtzahl der unfreiwillig nicht erwerbstätigen Alleinerziehenden aber bei weit über 300.000 Personen liegen.

Eine Arbeitslosenquote kann die Bundesregierung für Alleinerziehende nicht angeben. Jedoch konnte das Statistische Bundesamt auf Anfrage der Abgeordneten Zimmermann für 2017 die davon zu unterscheidende Erwerbslosenquote für Alleinerziehende beziffern. Als erwerbslos gilt nach dieser besonders eng gefassten Definition1 nur, wer nicht einmal eine Stunde pro Woche erwerbstätig ist. 2017 waren in diesem Sinne 5,6 Prozent der Alleinerziehenden erwerbslos, aber nur 2,2 Prozent der Eltern in Paargemeinschaften. Bei Müttern ist der Unterschied sogar noch deutlicher: 5,7 versus 1,9 Prozent.

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 Das statistische Bundesamt legt die Definition der Internationalen Arbeitsorganisation zugrunde. Der Begriff der Erwerbslosigkeit ist in diesem fachlichen Zusammenhang anders definiert als der Begriff Arbeitslosigkeit. In seinem wichtigsten Kriterium ist er deutlich strenger: Nur, wer nicht einmal eine Stunde pro Woche arbeitet, gilt als erwerbslos. Im Gesamtergebnis sind die Erwerbslosigkeitsquoten deshalb personengruppenübergreifend deutlich niedriger als die Arbeitslosigkeitsquoten, die von der Bundesagentur für Arbeit berechnet werden. Das trifft demgemäß mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch bei Alleinerziehenden zu.