Armut endlich den Kampf ansagen

Über jede/r vierte (28,1 Prozent) in Deutschland konnte es sich im Jahr 2018 nicht leisten unerwartete Ausgaben in Höhe von 1.050 Euro aus eigenen Finanzmitteln zu bestreiten.

Bei über 65-Jährigen betraf dies 32,6 Prozent, bei Alleinstehenden waren es 39,7 Prozent und bei alleinstehenden Personen mit abhängigen Kindern sogar 60,8 Prozent.

Dies geht aus Daten des Europäischen Statistikamts Eurostat hervor, die die Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann ausgewertet hat1.

Die Sozialexpertin der Fraktion DIE LINKE, die auch Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist, erklärt dazu:

„Armut ist in Deutschland kein Randphänomen, sondern zieht sich quer durch die Bevölkerung. Einen kleinen Notgroschen zurück zu legen ist für Viele nicht drin. Arm trotz Arbeit, Altersarmut und Verarmung von Erwerbslosen sind an der Tagesordnung. Das muss die Bundesregierung endlich erkennen und ein umfassendes Konzept zur Armutsbekämpfung vorlegen. Dazu gehört die Rahmenbedingungen für gute Arbeit zu schaffen: unter anderem Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro die Stunde, Abschaffung systematischer Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit und die Streichung der Möglichkeit der sachgrundlosen Befristung. Wir brauchen in Deutschland endlich höhere Löhne. Wir brauchen Löhne, von denen man leben kann.“

Zimmermann weiter:

„Zudem muss die soziale Sicherung bei Erwerbslosigkeit existenzsichernd ausgestaltet werden. Hartz IV muss durch eine sanktionsfreie Mindestsicherung ersetzt werden. Die gesetzliche Rente muss gestärkt und armutsfest gemacht werden, unter anderem muss das Rentenniveau wieder auf 53 Prozent erhöht, die Kürzungsfaktoren gestrichen und die Rente erst ab 67 abgeschafft werden. Eine Solidarische Mindestrente ist einzuführen.“

1 Im Rahmen einer jährlichen Befragung zur so genannten materiellen Deprivation (Entbehrung) wird auch danach gefragt, ob unerwartet anfallende Ausgaben in Höhe von mindestens 1.050 Euro aus eigenen Finanzmitteln bestritten werden können.

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