Armutsgefährdung von Alleinlebenden nimmt zu – insbesondere bei Älteren

Mehr Alleinlebende in Deutschland als im Durchschnitt der EU

Die Armutsgefährdung von Alleinlebenden (Einpersonenhaushalt) hat sich in Deutschland deutlich erhöht. Waren im Jahr 2006 21,7 Prozent aller Alleinlebenden armutsgefährdet, sind es 2019 26,5 Prozent gewesen. Besonders deutlich ist die Armutsgefährdungsquote von Alleinlebenden im Alter ab 65 Jahren gestiegen, nämlich von 15,1 Prozent im Jahr 2006 auf 24 Prozent in 2019. Die Armutsgefährdungsquote in der Bevölkerung insgesamt lag im Jahr 2019 laut Mikrozensus bei 15,9 Prozent.

In Deutschland lag im Jahr 2019 der Anteil von Alleinlebenden an der Gesamtbevölkerung bei 21 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt der EU von 15,2 Prozent.

Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Die Sozialexpertin der Fraktion DIE LINKE, die auch Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist, erklärt dazu:

„Armut breitet sich zunehmend in Deutschland aus. Sie ist da und kann sich nicht verstecken. Durch die Corona-Pandemie wird sich die Situation weiter verschärfen. Um Armut zu bekämpfen, braucht es ein umfassendes Konzept. Die Bundesregierung muss hier einen absoluten Schwerpunkt für das neue Jahr setzen und ihre Untätigkeit in der Armutsbekämpfung endlich beenden.“

Zimmermann weiter: 

„Prekäre Beschäftigung ist zurück zu drängen. Unter anderem muss der Mindestlohn in einem ersten Schritt auf 12 Euro erhöht werden. Die Bundesregierung muss dringend die Rahmenbedingungen für gute Arbeit schaffen. Zudem muss die soziale Sicherung bei Erwerbslosigkeit existenzsichernd ausgestaltet werden. Das Kurzarbeitergeld ist für viele Beschäftigte zu niedrig, um davon leben zu können und muss sofort auf 90 Prozent des Nettoentgeltes erhöht werden, für diejenigen, die nur den gesetzlichen Mindestlohn  bekommen, auf 100 Prozent. Hartz IV muss durch eine sanktionsfreie Mindestsicherung ersetzt werden, die wirklich vor Armut schützt und Teilhabe ermöglicht. Die gesetzliche Rente muss gestärkt und armutsfest gemacht werden.“