Armutsgefährdung von über 65-Jährigen deutlich angestiegen – Fast jede/r fünfte Ältere armutsgefährdet – Seit 2006 Anstieg von 62 Prozent – Höhere Armutsgefährdung als im Durchschnitt der EU

Im Jahr 2018 waren 18,2 Prozent aller Menschen im Alter von 65 Jahren und älter in Deutschland von Armut bedroht, 2006 waren es erst 12,5 Prozent.

Waren es im Jahr 2006 1,9 Millionen 65 Jährige und älter, sind es 2018 3,1 Millionen gewesen, deren Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle lag.[1] Im Vergleich zum Jahr 2006 ergibt sich ein Anstieg von 62 Prozent. Auch im Vergleich zum Jahr 2017 mit 2,8 Millionen armutsgefährdeten 65 Jährigen und älter hat es 2018 einen Anstieg gegeben (Armutsgefährdungsquote 2017 von 17 Prozent).

Im Durchschnitt der EU lag die Armutsgefährdung im Alter von 65 Jahre und älter im Jahr 2018 bei 16,1 Prozent, somit in Deutschland um über 2 Prozent höher.

Dies geht aus aktuellen Daten des Europäischen Statistikamts Eurostat hervor, die die Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann ausgewertet hat.

Die Sozialexpertin der Fraktion DIE LINKE, die auch Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist, erklärt dazu:

„Altersarmut breitet sich zunehmend in Deutschland aus. Die gesetzliche Rente muss dringend gestärkt und armutsfest gemacht werden, unter anderem durch Anhebung des Rentenniveaus auf mindestens 53 Prozent und die Einführung einer Solidarischen Mindestrente, die ein Leben in Würde im Alter ermöglicht. DIE LINKE fordert zudem in der Corona-Krise einen Pandemie-Zuschlag von 200 Euro für alle Rentnerinnen und Rentner, die Grundsicherung im Alter beziehen, da Tafeln ihr Angebot eingeschränkt haben und es derzeit Probleme bei der Verfügbarkeit preisgünstiger Produkte gibt. Auch Rentnerinnen und Rentner müssen die Möglichkeit haben, sich ordentlich mit Lebensmitteln zu versorgen.“

Zimmermann weiter:

„Grundsätzlich müssen auch die Bedingungen am Arbeitsmarkt dringend verbessert werden, um künftige Altersarmut zu verhindern. Niedrige Löhne ziehen immer niedrige Renten nach sich. Prekäre Beschäftigung muss endlich beseitigt werden. Unter anderem muss der Mindestlohn auf 12 Euro die Stunde erhöht und die Tarifbindung gestärkt werden.“


[1] Die Schwelle (treshold) lag in Deutschland im Jahr 2018 bei 13.628 Euro im Jahr (60 Prozent des Medianeinkommens).