Daten der Bundesagentur belegen Drehtüreffekt von Leiharbeit und Niedriglohn

Die mittlere Beschäftigungsdauer ist je nach Wirtschaftszweig und Beruf sehr unterschiedlich. Maßgeblich ist jeweils der Median (nicht der Durchschnitt) des Zeitraums, in dem Menschen durchgängig in Arbeit waren – auch bei verschiedenen Arbeitgebern. Als unschädlich gelten Unterbrechungen von bis zu zwei Monaten. 115,4 Monate (9 Jahre 7 Monate), beträgt branchen- und berufsübergreifend die mittlere Dauer einer Beschäftigungszeit ohne Unterbrechung. Im Zeitverlauf ist der Wert tendenziell leicht rückläufig. Zwischen Frauen und Männern besteht ein eher geringer Unterschied.

Weitaus größer sind die Unterschiede zwischen den Wirtschaftszweigen: Am unteren Ende der Skala steht mit nur 21,3 Monaten die Arbeitnehmerüberlassung; es folgen das Gastgewerbe (46,7 Monate = 3 Jahre 11 Monate) und die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (64,0 Monate = 5 Jahre 4 Monate). Land- und Forstwirtschaft sowie Erziehung und Unterricht teilen sich den viertletzten Platz (86,6 Monate = 7 Jahre 3 Monate). Spitzenreiter ist die Finanz- und Versicherungsbranche mit 208,7 Monaten (17 Jahre 5 Monate) Beschäftigung ohne längere Unterbrechung, zehnmal so lang wie in der Leiharbeit. Auch im Bereich Energie, Wasser, Abfall und Bergbau ist die Beschäftigung langjährig (196,7 Monate = 16 Jahre 5 Monate), ebenso in der öffentlichen Verwaltung, der Metall- und Elektroindustrie sowie der Chemie- und Kunststoffbranche mit jeweils rund 177 Monaten (14 Jahre 9 Monate).

Auch zu Berufen gibt die Statistik Auskunft. Hier sind es die Lebensmittel- und Gastgewerbeberufe (59,2 Monate = 4 Jahre 11 Monate), die Reinigungsberufe (60,2 Monate = 5 Jahre) und die sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufe (81,3 Monate = 6 Jahre 9 Monate), in denen die Zeiten durchgängiger Beschäftigung am kürzesten sind. Am längsten sind Menschen in fertigungs- (145,2 Monate = 12 Jahre 1 Monate) und fertigungstechnischen Berufen (161,6 Monate = 13 Jahre 6 Monate) sowie in unternehmensbezogenen Dienstleistungsberufen (153,1 Monate = 12 Jahre 9 Monate) tätig.

Das geht aus Daten der Bundesagentur für Arbeit hervor, die Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Deutschen Bundestag, ausgewertet hat. Zimmermann erklärt dazu: „Die Zahlen der Bundesagentur widerlegen klar die Behauptung, Leiharbeit und Niedriglohn seien Brücken in den Arbeitsmarkt. Das Gegenteil ist der Fall: Branchen und die Berufe mit geringem Entgelt sind auch diejenigen, die keine dauerhafte Perspektive bieten. Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter müssen schon nach unter zwei Jahren wieder für längere Zeit zur Arbeitsagentur oder zum Jobcenter. Deshalb gehört Leiharbeit endlich verboten. Werkverträge, die gern zur Umgehung genutzt werden, müssen streng reguliert und auf ihren eigentlichen Zweck zurückgeführt werden. Außerdem dürfen Arbeitsagenturen und Jobcenter nur noch in nachhaltige, qualifikationsgerechte Beschäftigung vermitteln. Dazu müssen Sperrzeiten und Sanktionen abgeschafft und klare Qualitätsanforderungen an die Vermittlung aufgestellt werden. Das ist jetzt in der Wirtschaftskrise besonders wichtig. Wer arbeitslos wird, muss eine echte Chance auf einen dauerhaften Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt entsprechend seiner Qualifikation bekommen.“