Fast jede dritte kinderreiche Familie ist arm, Tendenz steigend

Kinderreiche Familien in Deutschland sind wesentlich häufiger arm als noch vor einigen Jahren. Waren 2011 noch 22,4 Prozent aller Familien mit drei oder mehr Kindern arm, so waren es 2018 30,0 Prozent. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Frage der Abgeordneten Sabine Zimmermann (DIE LINKE.) hervor, die auch Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist.

Die gleichfalls erfragten Werte für die Jahre 2012 bis 2017 teilte die Bundesregierung nicht mit. Sie sind aber der amtlichen Sozialberichterstattung des Bundes und der Länder zu entnehmen. Demnach hat die Armut bei kinderreichen Familien seit dem Jahr 2011 kontinuierlich um durchschnittlich etwa einen Prozentpunkt pro Jahr zugenommen. Allein gegenüber dem Jahr 2017 stieg sie um 0,9 Prozentpunkte von 29,1 auf 30 Prozent an.

Zimmermann erklärt dazu: „Es ist bezeichnend, dass die Bundesregierung die steigende Armut kinderreicher Familien auf Zuwanderung schieben will. Weder ist es überzeugend, dass Zuwanderung über sieben Jahre hinweg die Hauptursache sein soll, noch wäre das eine akzeptable Entschuldigung. Was will die Bundesregierung damit sagen? Ist Armut bei Zugewanderten weniger schlimm? Die Bundesregierung spielt verschiedene benachteiligte Gruppen gegeneinander aus, um von ihrem eigenen Versagen abzulenken. Das nützt der AfD, aber sonst niemandem. Armut ist kein Naturgesetz, und zwar bei keiner einzigen kinderreichen Familie. Armut von Familien ist politisch verursacht. Das hat mit strukturellen Benachteiligungen von kinderreichen Eltern auf dem Arbeitsmarkt und mit fehlenden Betreuungsangeboten zu tun. Die wichtigste Ursache sind aber unzureichende Leistungen für Kinder und Familien.“

Zimmermann weiter: „Kinder dürfen kein Armutsrisiko sein, und das gilt für alle Familien. Das ist der Maßstab, an dem sich Familienleistungen messen lassen müssen. Doch die Bundesregierung verweigert sich beharrlich. DIE LINKE. steht an der Seite kinderreicher Familien. Wir fordern eine eigenständige Kindergrundsicherung für jedes Kind in diesem Land. Davon würden kinderreiche Familien mit geringem Einkommen am meisten profitieren. Außerdem braucht es gute Löhne, denn je höher das Einkommen, desto geringer das Armutsrisiko. Gesetzliche Schritte zu mehr Tarifbindung und ein Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde sind der Schlüssel dazu. “

Presseecho zum Thema – Morgenpost am 26.10.2019: Kinderreiche Familien sind häufiger von Armut bedroht