Fast jede/r zehnte im mittleren und hohen Alter fühlt sich einsam

Nach den Ergebnissen des Deutschen Alterssurveys waren im Jahr 2017 9,1 Prozent der in Privathaushalten lebenden Menschen im Alter von 40 bis 89 Jahren von Einsamkeit betroffen und 7,9 Prozent von sozialer Isolation1. Dabei waren 14,7 Prozent der Menschen zwischen 85 und 89 Jahren von sozialer Isolation betroffen. Bezüglich eines möglichen Handlungsbedarfes weist die Bundesregierung darauf hin, dass sie derzeit prüfe, inwieweit bisherige Strategien und Konzepte ausreichten, um Einsamkeit in allen Altersgruppen vorzubeugen und zu bekämpfen.

Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine entsprechende Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Die Sozialexpertin der Fraktion DIE LINKE, die auch Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestages ist, erklärt dazu:

„Viel zu viele Menschen sind von Einsamkeit betroffen. Einsamkeit ist zwar unsichtbar, hat aber leider schwerwiegende Folgen. Psychische und körperliche Gesundheit werden von Einsamkeit und sozialer Isolation negativ beeinflusst. Es reicht nicht aus, dass die Bundesregierung prüft, was gegen Einsamkeit und soziale Isolation zu tun ist. Im Kampf gegen Einsamkeit braucht es ein umfassendes Konzept, dazu gehört auch eine solide Finanzierung um örtliche Projekte zu ermöglichen. Es müssen niedrigschwellige Teilhabeangebote geschaffen werden, zum Beispiel Nachbarschaftstreffen, gemeinsames Kochen usw. So etwas flächendeckend in Gang zu bringen kann nicht nur ehrenamtlich funktionieren. Hier müssen professionelle Unterstützungsstrukturen geschaffen werden. Andere Länder wie zum Beispiel die Niederlande sind weiter. Dort gibt es ein Aktionsprogramm gegen Einsamkeit.“

Zimmermann weiter:

„In Deutschland ist Einsamkeit immer noch ein Tabuthema, das muss sich ändern und in der Gesellschaft diskutiert werden. Von großer Bedeutung ist aber auch die Schaffung von barrierefreiem Wohnraum, von dem es bislang viel zu wenig gibt. Viele ältere Menschen sind in ihrer Wohnung regelrecht gefangen. Es müssen aber auch neue Mobilitätskonzepte entwickelt werden, damit ältere Menschen ihre Isolation überwinden können.“

1 „Soziale Isolation bezeichnet einen bedeutenden Mangel im Kontakt zu anderen Menschen. Sie kann von außen beobachtet werden. Menschen, die viel Zeit allein verbringen und wenig mit anderen Personen interagieren, können als sozial isoliert bezeichnet werden. Einsamkeit ist hingegen eine sehr subjektive Erfahrung. Sie beschreibt das zutiefst unangenehme Gefühl, dass die sozialen Beziehungen, die man pflegt, und der persönliche Austausch mit anderen Menschen nicht den eigenen Bedürfnissen nach Zugehörigkeit und Geborgenheit entsprechen.“ Entnommen aus: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2019): Frauen und Männer in der zweiten Lebenshälfte – Älterwerden im sozialen Wandel. Zentrale Befunde des Deutschen Alterssurveys (DEAS) 1996 bis 2017. Seite 19

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