Starke Zunahme von Mehrfachbeschäftigten in Sachsen in den letzten Jahren – leichter Corona bedingter Einbruch im Jahr 2020

Immer mehr Beschäftigte in Sachsen gehen mehreren Jobs nach. Ende 2020 sind es 92.568 gewesen. Zum 31. Dezember 2003 waren es erst 51.949. Im Jahr 2019 gab es in Sachsen noch 95.861 Mehrfachbeschäftigte. Der leichte Rückgang 2020 dürfte auf die Corona-Krise am Arbeitsmarkt zurückzuführen sein.    

Mit 71.739 Ende 2020 ist eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit mindestens einer zusätzlichen geringfügigen Beschäftigung die häufigste Kombination, gefolgt von 16.448 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten mit mindestens einem weiteren sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Eine dritte Variante ist die Ausübung einer ausschließlichen geringfügigen Beschäftigung und mindestens einer weiteren geringfügigen Beschäftigung in 6.209 Fällen Ende 2020.   

Dies geht aus der Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine entsprechende Anfrage der Zwickauer Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE erklärt dazu:

„Für immer mehr Beschäftigte reicht das Einkommen aus einem Job nicht mehr aus. Die Tendenz zum Zweitjob wird anhalten, da es insgesamt zu wenig gute Arbeit gibt, von der die Menschen leben können. Der leichte Rückgang der Mehrfachbeschäftigten durch Corona wird schon in Kürze wieder in einen Anstieg übergehen. Der überwiegende Teil der Mehrfachbeschäftigten dürfte aus purer finanzieller Not mehr als einen Job haben und nicht freiwillig. Laut einer im Jahr 2019 erschienenen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung sind für 53 Prozent der Befragten finanzielle Schwierigkeiten bzw. Nöte ausschlaggebend für die Nebentätigkeit. 24 Prozent konnten keine Vollzeitstelle finden und haben daher die Nebentätigkeit aufgenommen, um finanziell aufzustocken.[1]

Zimmermann weiter:

„DIE LINKE fordert die Erhöhung des Mindestlohns auf 13 Euro die Stunde. Es bedarf aber weiterer Maßnahmen, unter anderem die Abschaffung der systematischen Niedriglohnbeschäftigung in Form der Leiharbeit und die Stärkung der Tarifbindung. Minijobs müssen in sozialversicherungspflichtige existenzsichernde Beschäftigung überführt werden. Arbeit, von der man leben kann, ist das Maß der Dinge, dafür muss die Bundesregierung die Voraussetzungen schaffen. Aber auch die Landesregierung muss endlich ihre Untätigkeit beenden und spürbare Maßnahmen im Kampf gegen die in Sachsen besonders stark verbreiteten Niedriglöhne ergreifen.“


[1] WSI Report Nr. 48, März 2019 „Mehrfachbeschäftigungen in Deutschland. Struktur, Arbeitsbedingungen und Motive“ Seite 9