Starker Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit – rund ein Drittel mehr im Vorjahresvergleich Rückfall auf den Stand von 2016

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen lag im Dezember 2020 bei 928.893, 231.572 mehr als im Vorjahr, ein Anstieg um 33,2 Prozent und damit deutlich stärker als die Zunahme der Arbeitslosigkeit allgemein mit 21,6 Prozent. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen lag im Dezember 2020 bei 34,3 Prozent. Im Mai 2020 lag er noch bei 27,7 Prozent. Den höchsten Anteil von Langzeitarbeitslosen gab es mit 43,6 Prozent in Bremen, den niedrigsten mit 22,6 Prozent in Bayern.

Letztmalig lag die Zahl der Langzeitarbeitslosen in einem Dezember im Jahr 2016 bei einer ähnlichen Höhe, nämlich 935.855. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit allgemein stieg von 57,3 Wochen im Mai 2020 auf 65,2 im Dezember 2020, im Rechtskreis SGB II von 83 auf 93,6 Wochen.   

Dies geht aus Statistiken der Bundesagentur für Arbeit hervor, die die Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann ausgewertet hat. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE erklärt dazu:

„Die Arbeitslosigkeit verfestigt sich von Monat zu Monat. Die Perspektiven am Arbeitsmarkt werden immer düsterer. Noch schlimmer ist aber, dass die Bundesregierung auf die beispiellose Krise am Arbeitsmarkt überzeugende Antworten schuldig bleibt. Wir brauchen dringend eine bessere soziale Absicherung. Viele Erwerbslose scheitern an den hohen Zugangshürden für den Bezug von Arbeitslosengeld und landen gleich in Hartz IV. Die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten muss sofort von der Bundesregierung gestoppt werden. Der Zugang zur Arbeitslosenversicherung muss generell erleichtert werden. Das Arbeitslosengeld muss von 60 Prozent auf 68 Prozent des Nettoentgeltes angehoben und die Bezugsdauer verlängert werden. Hartz IV muss durch eine sanktionsfreie Mindestsicherung ersetzt werden, die wirklich vor Armut schützt und Teilhabe ermöglicht.“

Zimmermann weiter:

„Wenn die Corona-Pandemie überwunden ist, muss dringend mehr für die vielen langzeitarbeitslosen Menschen getan werden. Dazu gehört auch deutlich mehr gute öffentlich geförderte Beschäftigung, von der die Menschen leben können und die ihnen eine Perspektive gibt. Das Teilhabeinstrument wurde dem bislang nicht gerecht. Auch müssen die Wünsche von erwerbslosen Menschen stärker berücksichtig werden, zum Beispiel bei Weiterbildung. Ein allgemeiner Rechtsanspruch auf Weiterbildung ist überfällig. An die Arbeitgeber appelliere ich, stärker als bislang auch Langzeitarbeitslosen, Älteren und Menschen mit Behinderungen die Chance auf einen neuen Job zu geben, da diese oft das Nachsehen haben, aber im Regelfall hoch motiviert sind.“