Tag der Arbeit 2021: Gute Arbeit muss im Mittelpunkt stehen – Corona-Krise darf nicht davon ablenken – Niedrige Entgelte in besonders stark vom Corona-Lockdown betroffenen Bereichen

Noch immer arbeitet fast jede/r fünfte (18,8 Prozent) sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte in Deutschland unter der bundeseinheitlichen Schwelle des unteren Entgeltbereichs von 2.267 Euro. Insgesamt waren dies Ende 2019  4.056.473, im Westen lag der Anteil bei 16,3 Prozent, im Osten sogar bei 30,4 Prozent. In absoluten Zahlen waren es Ende 2019 sogar mehr Vollzeitbeschäftigte im unteren Entgeltbereich als im Jahr 2013, wo es 4.013.511 waren.

Besonders hoch war der Niedriglohnanteil in Berufen im Friseurgewerbe mit einem Anteil der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten von 91,6 Prozent im unteren Entgeltbereich. Das Medianentgelt lag Ende 2019 bei 1.680 Euro brutto im Monat. Ebenfalls einen enorm hohen Anteil im unteren Entgeltbereich hatten mit 84,6 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten Berufe in der Floristik, in der Kosmetik (77,7 Prozent) sowie Berufskraftfahrer im Personentransport/PKW mit einem Niedriglohnanteil von 78,3 Prozent.

Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann sowie aus Statistiken der Bundesagentur für Arbeit hervor. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE erklärt mit Blick auf den 1. Mai als Tag der Arbeit dazu:  

„Der Niedriglohnsektor muss endlich effektiv bekämpft werden. Millionen Beschäftigte werden nach wie vor mit niedrigsten Löhnen abgespeist. Daran hat die Einführung des viel zu niedrigen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns nur marginal etwas geändert. In der Corona-Krise werden nun ausgerechnet die Beschäftigten mit den niedrigsten Löhnen am härtesten von den Lockdowns getroffen. Die Löhne müssen steigen, zum Beispiel durch höhere Branchenmindestlöhne und verbesserte Möglichkeiten der Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen. Der allgemeine Mindestlohn muss in einem ersten Schritt sofort auf 12 Euro die Stunde erhöht werden. Gute Arbeit, von der die Beschäftigten leben können, ist das Maß der Dinge. Dafür muss die Bundesregierung die Rahmenbedingungen schaffen. Die Corona-Krise darf nicht bedeuten, dass nun die Beschäftigten jahrelang auf berechtigte Forderungen verzichten müssen.“

Zimmermann weiter:

„Besonders dringend muss die Bundesregierung schnellstmöglich die Krisenabsicherung deutlich verbessern. Das Kurzarbeitergeld ist für viele Beschäftigte zu niedrig um davon leben zu können. DIE LINKE fordert 90 Prozent des Nettoentgeltes sowie ein Mindestkurzarbeitergeld von 1.200 Euro. Das Arbeitslosengeld muss von 60 Prozent auf 68 Prozent des Nettoentgeltes erhöht werden. Grundsätzlich ist die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld zu verlängern.“