Viele Beschäftigte in systemrelevanten Berufen gehören selbst zur Risikogruppe

Nicht wenige Beschäftigte in den so genannten systemrelevanten Berufen sind 60 Jahre und älter und haben somit laut Robert-Koch-Institut nach bisherigen Erkenntnissen aufgrund ihres Alters ein höheres Risiko für einen schweren COVID-19- Krankheitsverlauf. Das Risiko einer schweren Erkrankung steige nämlich ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogruppen.html).  

So waren in der Wirtschaftsabteilung Einzelhandel im Jahr 2018 bundesweit 158.429 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 60 Jahre und älter (6,59 Prozent aller Beschäftigten in diesem Bereich), im Wirtschaftsabschnitt Gesundheits- und Sozialwesen sind es 384.624 gewesen mit einem Anteil von 8,02 Prozent an allen Beschäftigten in diesem Abschnitt. In der Unterabteilung Heime, zu der Pflegeheime und Altenheime gehören, war im Jahr 2018 sogar rund jede/r zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 60 Jahre und älter, ein Anteil von 9,68 Prozent an allen Beschäftigten in diesem Bereich, in absoluten Zahlen 100.675. Der Anteil von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über 60 an den Beschäftigten über alle Branchen gesehen liegt bei 7,93 Prozent, 2.609.777 Personen.

Dies geht aus einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit hervor, die von der Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann angefragt wurde. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE erklärt dazu:

„Alle reden davon, wie wir uns vor Corona schützen können. Insbesondere müssen die, die jetzt das System am Laufen halten, aber deutlich besser geschützt werden. Gerade im Hinblick auf die vielen älteren Beschäftigten ist das dringend notwendig. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass es zu wenig Atemmasken und Schutzausrüstung gibt. Besonders beschämend und blamabel ist, dass es sogar im Gesundheits- und Sozialwesen zu wenig Ausrüstung gibt. Es ist unfassbar in unserem wirtschaftlich so starken und reichen Land, dass diejenigen, die uns helfen und das Leben aufrechterhalten sollen, sich noch nicht mal selber ausreichend schützen können. Die Bundesregierung muss für mehr Schutzausrüstung sorgen, durch Einkauf oder als letzte Möglichkeit auch durch Beschlagnahmung bei denen, die mit Wucherpreisen nun ein Geschäft machen wollen.“

Zimmermann weiter:

„Die Corona-Krise rückt auch die Arbeitsbedingungen in systemrelevanten Berufen in den Fokus. Viele Beschäftigte verdienen hier unter Durchschnitt oder arbeiten in Teilzeit, so dass ein auskömmliches Leben für viele nicht möglich ist. Für die Zeit der Krise müssen die Arbeitgeber verpflichtet werden einen Zuschlag zu zahlen. Ein „danke schön“ reicht nicht. Aber auch darüber hinaus müssen die Löhne steigen, zum Beispiel durch höhere Branchenmindestlöhne und verbesserte Möglichkeiten der Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen.“